Brot und Wein

[2018-03-14]

Beim vierten Abend der Fastenaktion 2018 im Pfarrsaal in der Rehhofsiedlung ging es um das Sakrament der Eucharistie (r.k. Schreibweise) bzw. um das Abendmahl (evang. Schreibweise). Während bei den vorhergegangenen Abenden durchaus eine schon recht hohe Annäherung der beiden Kirchen zustande gekommen ist, gab es diese „volle Harmonie“ bei diesem Sakrament – wie erwartet – (noch) nicht.

Mag. Peter Pröglhöf referierte im ersten Teil des Abends über die evangelische Sicht, über Gemeinsamkeiten und Auslegungen, bei denen die Kirchenführungen noch keine Übereinstimmung finden konnten.

Wo und warum es bei einigen Details noch keine Übereinstimmung gibt, erklärte Dr. Franz Padinger bei seinem Vortrag, wobei er vor allem die Situation aus der röm. kath. Sicht darstellte.

Spannend verlief schließlich der dritte Teil des Abends, bei dem sich die beiden Referenten miteinander unterhielten und so recht persönlich versucht wurde, einerseits die bestehenden Unterschiede im geschichtlichen Zusammenhang zu verstehen und anderseits durchaus Gedanken austauschten, wie eine weitere Annäherung der Kirchen bis hin zu einer echten Mahlgemeinschaft möglich sein könnte.

Übereinstimmung herrschte in der Einschätzung, dass (kirchen)gesetzliche Regelungen im geschichtlichen Zusammenhang zu sehen sind und deren Aktualisierung und Anpassung an den gelebten Status immer ihre Zeit erfordern. Gesetzliche Regelungen können eine bestimmte Hilfestellung in einem Entscheidungsprozess bieten, letzten Endes aber ist jeder Christ einzig und allein seinem Gewissen verpflichtet.

„Der evangelischen Kirche würde es gut tun, wenn sich die katholische Kirche in diese Richtung entwickeln würde, damit irgendwann auch offiziell eine gemeinsame Feier möglich ist. Ein weiterer großer evangelischer Wunsch wäre es, wenn die Abendmahlgemeinschaft in beiderlei Gestalt in der katholischen Kirche nicht die Ausnahme ist, sondern die Regel.“ Peter Pröglhöf formulierte sehr konkret die evangelischen Wünsche an die Schwesterkirche. „Damit käme man einer der ganz wichtigen Forderungen in der Reformationsgeschichte näher.“

„Diesbezüglich gibt es in der katholischen Kirche mehrere Parallelströmungen“, antwortet Dr. Padinger. Immerhin gibt es eine Reihe von Bischöfen, die eine solche Entwicklung, dass die Kommunion stets in beiderlei Gestalt empfangen werden kann, durchaus befürworten. Technische Probleme gibt es dabei sicherlich bei Gottesdiensten mit sehr vielen Teilnehmern, aber technische Probleme sind dazu da, gelöst zu werden.

Aus katholischer Sicht sieht Dr. Padinger Probleme darin, dass bei den evangelischen Christen die „Verwandlung“ von Brot und Wein nur für den Akt der Feier gilt. Nach der Feier kann übrig gebliebenes Brot und restlicher Wein wieder wie normales Brot und normaler Wein „weggeräumt“ werden. In der katholischen Kirche gilt die „Verwandlung“  „auf Dauer“, weshalb übriggebliebene Hostien in den katholischen Kirchen in den Tabernakeln aufbewahrt werden (müssen); der vorbereitete Wein wird grundsätzlich bei katholischen Messen ganz ausgetrunken. Hier könnte die evangelische Kirche dahingehend den Katholiken entgegenkommen, indem versucht wird, dass nach dem Gottesdienst kein Brot und kein Wein „übrig“ bleibt. Hier besteht eine „kleine Sperre“, die aus katholischer Sicht derzeit nur sehr schwer zu überwinden ist.

Bei der anschließenden, regen Diskussion gaben die Besucher so manche früheren „Gewohnheiten“ zum Besten, die einerseits recht fragwürdige Praktiken offenlegten, andereseits aber auch aufzeigten, dass sich in der (vor allem katholischen) Kirche in den letzten Jahrzehnten ja doch einiges verändert hat, was einer weiteren Annäherung der Kirchen durchaus dienlich ist.

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