Sonntagsgruß zum 20. März 2022

[18.03.2022]

(3. Sonntag der Passionszeit mit Namen Okuli)

Liebe Mitglieder und Freund*innen unserer Halleiner Pfarrgemeinde!

„Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ (Lukas 9,26) – so lautet das biblische Wort für diesen Sonntag Okuli.

Dieser Name stammt aus Psalm 25,15: „Meine Augen sehen stets auf den Herrn“.

Der christliche Schriftsteller Ulrich Schaffer beschreibt in einer kurzen Geschichte, was ein Blick zurück bewirken kann: Ein Bauer peilt einen Baum auf der anderen Feldseite zwischen beiden Pferdenacken an, bevor er den Pflug ansetzt und denkt eine gerade Furche. Doch nach kurzer Zeit dreht er sich um und schaut über die linke Schulter zurück, um zu überprüfen, wieviel er schon geschafft hat, ob die Furche wirklich gerade wird, oder auch um zu jemand zu schauen, der am Feldrand steht.

Dabei drückt er unmerklich den Pflug ein wenig nach links hinunter. Als er wieder nach vorne schaut, nimmt er wieder den Baum in den Blick – doch es ist ein anderer Baum, neben dem ursprünglichen. So entsteht ein Knick in der ersten und auch in allen weiteren Furchen.

Jesus macht also seine Jünger und Jüngerinnen auf die Gefahr aufmerksam, das eigentliche Ziel aus den Augen zu verlieren. Für Jesus geht es darum, dass Gott, seine Liebe und Güte sichtbar und erfahrbar werden, dass in seinem Reden und Leben und in dem seiner Nachfolger*innen spürbar wird: Gott ist da, letztlich stehen diese Welt und alles Leben unter Gottes Obhut, er ist der eigentliche Herr dieser Welt.

Auf Gott und seinen Willen zu schauen, mich an seinem Wort zu orientieren und seine Liebe zu leben – das ist eine herausfordernde Lebensaufgabe.

Denn immer wieder schaue ich ja unsicher zurück, bin gefangen in meiner Vergangenheit, meinen Prägungen, eingebunden in meine Beziehungen, die mich halten, aber auch festhalten, beschwert durch meine Sorgen und Ängste – und verliere dabei mein eigentliches Ziel, ja auch Gott aus dem Blick.

Ich wünsche und hoffe, dass Gott mich immer wieder wachrüttelt und meinen Blick neu ausrichtet, wenn sich mein Fuß im Netz verfangen hat, meine Gedanken festgefahren sind, mein Herz sich verschließt, mein Geist müde geworden ist, mein Mund schweigt oder Unnützes spricht und meine Hände nicht helfend eingreifen oder liebevoll halten.

Ich vertraue, Gott schickt mir einen Boten, ein Zeichen, er gibt mir wieder neue Kraft und korrigiert meine falschen Vorstellungen – so darf es der Prophet Elia erleben, wie wir es in der Predigt im Gottesdienst am Sonntag bedenken wollen.

Einen klaren Blick nach vorne – das wünsche ich auch euch in diesen Kriegstagen,
Euer Pfarrer Peter Gabriel

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