Geduld – Die Kunst des Wartens

[20.12.2023]

Es ist 7 Uhr morgens und noch dunkel, trotzdem verlässt Frau S. bereits jetzt dick eingehüllt in ihre Winterkleidung das HAUS FRANZISKUS, das ihr in dieser kalten Jahreszeit zumindest einen Schlafplatz, eine heiße Dusche, ein warmes Abendessen und ein Frühstück bietet. Auch ihre Kleidung wurde vom Nachtdienst gewaschen, ihr Mantel und ihre Schuhe sind in der warmen Kleiderkammer getrocknet. Lediglich die Sitzkissen, auf denen sie den ganzen Tag sitzt, sind noch feucht, aber die trocknen auch nicht so schnell. Gestern hat es den ganzen Tag geregnet, während Frau S. geduldig an ihrem Bettelplatz saß und auf Spenden hoffte – 15 Euro hat sich gestern während des ganzen Tages eingenommen, das ist nicht viel für 9 Stunden – in der Kälte sitzend und wartend! Aber wer geht schon freiwillig bei so einem unfreundlichen Wetter freiwillig vor die Haustüre!

Frau S. kommt aus Rumänien, sie hatte nie die Möglichkeit, regelmäßig die Schule zu besuchen – als Romni war sie in der Schule unerwünscht und den 2-stündigen Fußmarsch zur Schule schaffte sie nicht immer. Weil sie nicht lesen und nicht schreiben kann, hat sie auch keine Arbeitsstelle gefunden, Arbeitsplätze sind in ihrer Heimat sowieso schwer zu bekommen. 4 Kinder hat Frau S., sie werden von der Nachbarin im Heimatdorf mitbetreut, weil auch ihr Mann als Armutsmigrant in Salzburg ist und so wie sie versucht, das für die Familie zum Überleben Notwendigste zu erbetteln. Sehnsüchtig warten die Kinder jedes Mal auf die Heimkehr der Eltern – heißt es doch, dass nach etwa 4-6 Wochen ohne ausreichendes Heizmaterial endlich wieder einmal ein warmes Essen gekocht werden kann in der kleinen Hütte mit den undichten Fenstern und Türen….
Frau S. hat in ihrem Leben EINES gelernt – Geduld zu haben und es erwarten zu können, genug Geld erbettelt zu haben, damit neben den Kosten für die Heimreise auch etwas Geld für die Kinder bleibt. Brennmaterial und Lebensmittel werden dann gekauft, damit die Familie wieder für einige Zeit über die Runden kommt. Und natürlich bekommt die Nachbarin auch etwas ab, denn der Zusammenhalt im Dorf macht die Armut dieser Menschen ein wenig erträglicher.

Ihr fragt euch jetzt vielleicht, was diese Geschichte mit unserer Evangelischen Pfarrgemeinde in Hallein aber auch mit jedem und jeder Einzelnen von uns zu tun hat? Auslöser dafür, dass ich euch als Diakoniebeauftragte unserer Pfarrgemeinde diese „andere Form des Wartens“ näher bringen wollte, waren die Bettelversuche von Armutsmigrant:innen direkt vor unserer Kirche – hier haben wir eine klare und gute Regelung gefunden, um diese Menschen bestmöglich zu unterstützen – sie hängt auch bei uns im Schaukasten aus. Aber gleichzeitig will ich auch – und das gerade rund um die Weihnachtszeit – ganz bewusst auf die Menschen aufmerksam machen, deren sehnlichstes Warten so wie bei den meisten von uns – nicht auf das nahende Weihnachtsfest und die Geburt Christi ausgerichtet ist. Wobei die Kunst des Wartens auf Weihnachten vor allem für unsere Kleinsten auch sehr viel Geduld erfordert und auch nicht immer leicht fällt!

Für Menschen, deren Leben aus den unterschiedlichsten Gründen nicht „rund läuft“, haben Geduld und die Kunst des Wartens aber oft eine existenzielle Bedeutung – auszuhalten sind diese „Wartezeiten“ – diese Durststrecken im Leben – für viele Menschen nur deshalb, weil sie wissen und erfahren durften, dass sie bei uns in der Evangelischen Pfarrgemeinde Hallein Hilfe und Unterstützung bekommen. Das ist nur möglich, weil so viele Menschen in unserer Pfarrgemeinde sich für ihre Mitmenschen einsetzen. Für dieses gute Miteinander will ich euch heute im Namen des DaLeTe-Teams DANKE SAGEN! Ohne eure Unterstützung wäre so vieles nicht möglich! Wir haben auch im heurigen Jahr vielen Menschen die Hoffnung zurückgegeben, dass sich ihr Warten auf Hilfe und Unterstützung tatsächlich gelohnt hat!

Gesegnetes Weihnachtsfest und Gottes Segen für das neue Jahr!
Edda Böhm-Ingram Diakoniebeauftragte

(Beitragsbild: Yohanes Vianey Lein / Pfarrbriefservice.de)

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